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Mobbing

Dr. med. Raimund Arnold
 
Facharzt für Allgemeinmedizin -
 Betriebsmedizin - Suchtmedizin - Palliativmedizin

Heubergstr 1 ,   83512 Wasserburg
tel:  08071 / 94440
fax: 08071 / 94441

   

Mobbing

Dieser Begriff aus den 90ger Jahren bezeichnet natürlich nicht ein neues Phänomen im Berufsalltag, sondern eine Form der Beziehungsstörung am Arbeitsplatz, die es schon immer gegeben hat. Nur werden bei den heutigen Arbeitssituationen solche psychosozialen Arbeitsbedingungen immer wesentlicher und entsprechende Störungen schlimmer empfunden.

Das eigentliche Mobbing bezeichnet eine Art Psychoterror einer bestimmten Person gegenüber, der über einen längeren Zeitraum ausgeübt wird. Man geht davon aus, dass etwa 3% der Beschäftigten einem Mobbing ausgesetzt sind. Ein kleinerer Anteil davon wiederum entwickelt unter dem Mobbing schwere psychische oder psycho-somatische Beschwerden.

 Wie äußert sich Mobbing ?

Die typischen Schikanen lassen sich in direkte Störungen und indirekte Aktionen unterteilen :

 direkte Störungen:

1.       Störungen der Kommunikation:

  •       Kontaktentzug
  •         negative Kommunikationsformen wie Unterbrechen, Beschimpfen,
  •        Sich -lustig- Machen

2.       Störung der Sozialbeziehungen:

  •        Angriffe auf persönliche Einstellungen wie Hobby, Glaube oder politische Einstellung
  •        ständige Kritik
  •        sexuelle Belästigung

3.       Störung der Tätigkeit:

  •         Zuteilung von gar keinen oder unsinnigen Arbeitsaufgaben
  •         Zuteilung von disqualifizierenden Arbeiten
  •         Zuweisung eines unzumutbaren Arbeitsplatzes
  •        Schuldzuweisungen

 Indirekte Störungen:

1.       Verbreiten von Gerüchten

2.       Sich – Lustig – Machen über die/den Betroffenen z.B. durch Imitieren von Gang,                                        Gesten oder Mimik

3.       Versetzung aus der Gemeinschaft  und Isolierung

4.       Sabotage der Tätigkeit,  Zerstörung persönlicher Dinge

 Wie entsteht Mobbing ?

Meist kommen mehrere Faktoren zusammen :

a)       Spezielle Rahmenbedingungen wie z.B. unklare oder nicht anerkannte                                                        Hierarchiestrukturen, Führungsdefizite oder ein „Nest aus Schweigern“

b)       Individuelle psychische Konstellationen  bei „Opfer“ und „Täter“ wie:
           Tendenz zu „gelernter Hilflosigkeit und Konfliktvermeidung“ oder allgemeinen                                              Aufopferungsbereitschaft einerseits und verminderten sozialen Fähigkeiten und                                         Neigung zu aggressiver Konfliktlösung andererseits.

c)       Konflikte am Arbeitsplatz wie unterschiedlicher Arbeitsstil,     
           Rollenkonflikte (Aufstieg und Zurückbleiben,  hübsche neue Kollegin)

  Folgen des Mobbings:

Aus anfänglichen Befindlichkeitsstörungen wie Konzentrationsschwäche, Kopfschmerz, Verspannungen etc. können sich bei den vom Mobbing Betroffenen schwere psychosomatische oder psychische Störungen entwickeln bis hin zur Selbsttötung. Häufige Folge ist auch die sogenannte „innere Kündigung“, d.h. zwar Erscheinen am Arbeitsplatz aber kein Engagement mehr für die Tätigkeit. Für die betrieblichen Ausfallskosten werden mehrstellige Milliardenbeträge veranschlagt.

Natürlich ist auch eine umgekehrte  Entwicklung möglich, dass sich aus einer zugrundeliegenden psychischen Erkrankung das Gefühl oder die Wahnvorstellung entwickelt, gemobbt zu werden. Es ist eine ärztliche Aufgabe, diese Erkrankungen von Mobbingopfern zu unterscheiden.

 Was kann man bei Mobbing tun ?

Wichtig ist zunächst einmal, die Möglichkeit eines Mobbings überhaupt in Betracht zu ziehen und als Kollege oder Vorgesetzter nicht die Augen davor zu verschließen. Dann darf die Mobbingsituation nicht als Problem eines Einzelnen betrachtet werden, sondern als systemisches Problem. Entsprechend ist der Versuch, den zugrundeliegenden Konflikt zu lösen, nur ein Teil der Problemlösung.

Am ehesten kann eine Kollegin/Kollege des Vertrauens mit eigener Autorität und Unterstützung von Geschäftsleitung, Betriebsrat und direkten Vorgesetzten das meist schwer angeschlagene Selbstvertrauen des Betroffenen wieder aufbauen. Oft ist natürlich auch psychotherapeutische Hilfe unumgänglich.

Letztendlich sind die Chancen, eine einmal eingetretene Mobbingsituation wieder zu bereinigen, leider sehr schlecht. Deshalb ist es umso wichtiger im Vorfeld Mobbing vorzubeugen.

 Stellenwert sozialer Kompetenz am Arbeitsplatz :

 Die Rahmenbedingungen aus denen Mobbing entsteht, können nur im Vorfeld erfolgversprechend verbessert werden.

-       Dazu gehört vor allem, in Teambesprechungen neben den betrieblichen Belange auch die                       Situation in der Gruppe offen anzusprechen, über Gefühle,                                                                             Ungerechtigkeiten und Arbeitszufriedenheit zu sprechen und Konfliktstrategien zu entwickeln.

-       Ein weiterer wesentlicher präventiver Gesichtspunkt ist eine „offene                                         I                     Informationspolitik“ im Betrieb und klare Aufgaben- und                                                                                  Verantwortungsbeschreibungen. Wissensvorteile einzelner sind besonderes Gift für das                         Betriebsklima.

-       In regelmäßigen Personalgesprächen kann viel für das Selbstwertgefühl der                                                Mitarbeiter erreicht werden, indem positive Rückmeldungen gegeben werden oder der                            Sinn der Tätigkeit  transparent gemacht wird.

-       Die Einführung neuer Mitarbeiter in die Arbeitsgruppe ist ebenfalls ein kritischer Punkt, auf den              verstärkte Aufmerksamkeit gerichtet werden sollte.

 Fazit

„ In unserem Betrieb ist das Arbeitsklima so gut, da gibt es kein Mobbing“ ist garantiert nicht der          richtige Weg, um schwerwiegende psychosoziale Probleme bei Mitarbeitern und erhebliche Ausfallkosten für den Betrieb zu verhindern.

Nur aktives Gestalten der Arbeitsumgebung, die von allen Mitarbeitern wie Vorgesetzten ungewohnte Anstrengungen erfordern, kann die unangenehmen Folgen von Beziehungsstörungen am Arbeitsplatz verhindern helfen.

Dr. R. Arnold (www.r-arnold.com)