|
Suchterkrankungen
Suchtmittelgebrauch wird nach der Definition der WHO dann zu einer Erkrankung, wenn Nachteile für den Betroffenen in einem der folgenden Bereiche zu
verzeichnen sind:
- körperliche Beeinträchtigung (z.B. Lungenkrebs bei Rauchern)
- psychische Beeinträchtigung (z.B. Wahrnehmungsstörung nach Ecstasy)
- soziale Beeinträchtigung (z.B. Scheidung oder Arbeitsplatzverlust bei Alkoholkrankheit)
Aus dieser weitgefassten Definition erschließt sich leicht, wo die eigentlichen Suchtprobleme in unserer Gesellschaft liegen: bei den 3 Millionen
Alkoholkranken und nicht bei den 120.000 Drogenabhängigen ! Das bedeutet für einen durchschnittlichen Betrieb, dass 5 – 10 % der Mitarbeiter mit Alkoholproblemen zu erwarten sind. Wer den solche Probleme im Team
bemerkt, sollten sie auf keinen Fall unter den Teppich gekehrt werden. In aller Regel ist sogar über die Arbeit die beste Motivation zu erzielen, die Probleme in den Griff zu bekommen.
Trotz dieser klaren Vorrangstellung des Alkohols als Suchtproblem Nummer 1 sollen im folgenden die anderen Suchterkrankungen gleichermaßen vorgestellt
werden:
- Zigarettenrauchen:
Die körperliche Abhängigkeit von Nikotin ist nicht das größte Problem, wenn man sich vom Rachen entwöhnen möchte. Schwerer wiegt die psychische Abhängigkeit,
in welcher Situation jetzt eigentlich „eine Zigarette dazugehören würde“. Deshalb ist Nikotin als Wirkstoff (über Kaugummi oder Pflaster zugeführt) auch nur ein kleiner Baustein bei der Entwöhnung.
Zigarettenrauchen ist mit einem sehr starken Risiko körperlicher Erkrankungen belastet (u.a. Gefäßerkrankungen und verschiedene Krebsarten). Sicherlich ist bei einem Raucher die freiwillig zugeführte Giftmenge
schwerwiegender einzuschätzen als alle Umweltschadstoffe zusammengenommen. Über 85% der Lungenerkrankungen (häufigster Krebs bei Männern, zweithäufigster bei Frauchen) sind Raucher.
2. Drogen
Ein großer Teil der Drogen hat viel weniger direkte körperliche Auswirkungen als psychische. Allerdings sind dann oft die Begleitumstände (z.B.
Spritzentausch bei i.v. Drogenabhängigen) für schwere körperliche Erkrankungen (Hepatitis, Aids) verantwortlich.
Eine unrühmliche Ausnahme von dieser Regel ist leider Ecstasy, das für sehr schwerwiegende Erkrankungen (bis Todesfälle bei Erstbebrauch) verantwortlich ist.
Mitbedingt durch die unbekannte genaue Zusammensetzung der Droge treten gehäuft schweres Leberversagen, Kollapszustände und Wahnvorstellungen auf.
Auch Cannabis ruft entgegen weitverbreiteter Einstellung seit einigen Jahren eindeutig nachgewiesene strukturelle Schäden im Gehirn hervor, mit der Folge
einers gehäuften Auftretens schwerer psychischer Erkrankungen, die eine stat Behandlung erforderlich machen.
3. Alkohol
Die körperlichen Auswirkungen des Giftes Alkohol beschränken sich nicht auf die Leber. Weitere wesentliche „Zielorgane“ sind:
- Gehirn > Gedächtnisverlust
- Herz > Herzschwäche
- Bauchspeicheldrüse > schwere Entzündung
- Nervenbahnen > schmerzhafte Schädigung, sog. Polyneuropathie
Die Entgiftungsmöglichkeit der Leber ist in etwa beschränkt auf 2 Bier (entsprechend 55 g Alkohol) pro Tag beim Mann. Bei Frauen ist die Grenze niedriger. In
der Schwangerschaft werden schon ganz geringe Alkoholmengen als häufigster Grund für geistiges Zurückbleiben der Kinder angesehen. Die wesentlichen psychischen und sozialen Auswirkungen des Alkohols sind weniger gut
messbar! Wahrscheinlich auf aufgrund angeborener Ursachen haben bestimmte Menschen ein höheres Risiko, alkoholkrank zu werden. Natürlich kommen dann äußere Umstände, Erziehung, Lebenssituation usw. dazu, bis es zur
Alkoholkrankheit kommt. Die Gesellschaft ist aber in Bezug auf alle Suchterkrankungen zu der Übereinstimmung gekommen, dass es eine Krankheit und kein schuldhaftes Fehlverhalten ist, wenn eine Sucht ausbricht.
Dies gilt auch für weitere Suchtverhaltensmuster.
4. Medikamente, Essstörungen, Spielsucht usw.
Für alle diese Erkrankungen ist eine Behandlung anzustreben. Die setzt natürlich bei dem Betroffenen und seiner Umgebung die Einsicht voraus, dass eine
Erkrankung vorliegt. Die Krankheit zu verleugnen und wegzuschauen (in der Familie wie am Arbeitsplatz) hilft nicht weiter.
Viele Betriebe haben daher eine Betriebsvereinbarung getroffen, wie mit Alkoholproblemen am Arbeitsplatz umzugehen ist. Als Betriebsarzt bin ich jederzeit
ansprechbar und natürlich an meine Schweigepflicht gebunden, wenn betroffenen oder Mitarbeiter Hilfe bei einem Suchtproblem suchen.
Cagetest zur Selbstkontrolle
- - Haben Sie jemals des Gefühl gehabt, Sie müssten Ihren Alkoholkonsum
vermindern ?
- - Haben andere Personen sie dadurch geärgert, dass diese Ihr Trinkverhalten
kritisiert haben?
- - Haben Sie jemals Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums gehabt?
- - Haben Sie jemals als erstes am Morgen ein alkoholhaltiges Getränk getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen?
Wenn Sie 2 oder mehr Fragen mit ja beantworten, sollten Sie ein Gespräch mit Ihrem Arzt zum Thema Alkohol suchen. Der kann über weiterführende Fragen,
Labordiagnostik etc. dazu beitragen, dass Sie klarer sehen ,ob Alkohol ein Problem für Sie ist.
Dr. R. Arnold (www.r-arnold.com)
|