â Doping im Beruf â
Einsatz âLeistungssteigernderâ Substanzen am Arbeitsplatz
In den Medien wird in letzter Zeit immer wieder berichtet, wie hĂ€ufig â leistungssteigerndeâ Substanzen in der Arbeitswelt eingesetzt werden. In der
Regel handelt es sich dabei um Medikamente, die fĂŒr den Einsatz bei Erkrankungen gedacht sind, aber unabhĂ€ngig von Erkrankungen eingenommen werden mit dem Ziel, verbesserte kognitive oder psychische
LeistungsfÀhigkeit am Arbeitsplatz zu erreichen. Die DAK hat in einem Gesundheitsreport 2009 Daten ausgewertet, Experten befragt und Einstellungen in der Bevölkerung ermittelt.
So hat nach dieser Befragung jeder fĂŒnfte die Erfahrung gemacht, dass (ihm unabhĂ€ngig von Erkrankungen) aus dem direkten sozialen Umfeld die Einnahme
derartige Medikamente empfohlen wurden. Ca. 20% aller Befragten befanden das BedĂŒrfnis, die Aufmerksamkeit und Konzentrations-eistungen im Beruf generell steigern zu wollen als vertretbaren Grund fĂŒr die Einnahme
von Medikamenten auch ohne medizinische Diagnose. Etwa 5% der ErwerbstÀtigen zÀhlen nach dem Report nach eigenen Angaben zu Benutzern derartige Medikamente, wobei sich die Anzahl auf 1- 2% aller Befragten
reduziert, wenn konkreter nach der HĂ€ufigkeit beziehungsweise der Beschaffungspraxis nachgefragt wurde.
Verwendet wurden ĂŒberwiegend PrĂ€parate gegen Angst,NervositĂ€t und Unruhe (44%) gefolgt von Mitteln gegen depressive Verstimmung (35%), nur von
13% wurden die viel diskutierten, speziellen PrĂ€parate gegen Aufmerksamkeit- und Konzentrationsstörungen (ADHS) genannt. Die meisten PrĂ€parate wurden ohne Rezept in der Standortapotheke besorgt (45%) oder ĂŒber
Internetapotheken (12%). Ăber normale Verordnungen von Ărzten wurden 14% der PrĂ€parate bezogen.. Nur 3 % der Nutzer gehen davon aus, das die Einnahme ohne nennenswerte Gefahr von Nebenwirkungen ist. Frauen
sind generell etwas eher geneigt, derartige Medikamente einzunehmen. Die Internetapotheken ignorieren meistens die Rezeptpflicht.
Aus medizinischere Sicht ist es zunÀchst einmal fraglich, ob die verwendeten Substanzen bei Gesunden tatsÀchlich zu einer Leistungssteigerung
fĂŒhren. Alle Experten sind sich einig, dass sich mit der stĂ€rkeren Wirksamkeit eines Medikamentes auch die Gefahr der unerwĂŒnschten und z.T. gefĂ€hrlichen Nebenwirkungen erhöht. Generell geht man davon aus, dass
pro Jahr wesentlich mehr ( möglicherweise um den Faktor 10) Menschen an Medikamenten-Nebenwirkungen versterben als durch AutounfÀlle. Bei den Psychopharmaka gibt es die spezielle Gefahr der
MedikamentenabhĂ€ngigkeit. Man geht von ca. 1 Million MedikamentenabhĂ€ngigen allein aus der Gruppe der angstlösenden und schlafanstoĂenden Medikamente ( Benzodiazepine) in Deutschland aus.
Die möglichen Nebenwirkungen von leistungssteigernden Substanzen am Arbeitsplatz sind neben der AbhÀngigkeit und den vielfÀltigen Nebenwirkungen, die
bei jeglicher Medikamenteneinnahme möglich sind z.B. auch Schlafstörungen, irreale VerĂ€nderung der Stimmung, SelbstĂŒberschĂ€tzung, Appetitstörungen, EinschrĂ€nkung der Fahrtauglichkeit oder MaschinenfĂŒhrung,
Kreislaufprobleme oder aber eine Leistungsminderung im Anschluss an die Medikamenteneinnahme. Ebenfalls zu bedenken sind ethische EinwĂ€nde (man denke z.B. an die Einnahme in PrĂŒfungssituationen zum Erlangen
eines relativen Vorteils).
Zusammenfassend kann aus vielfĂ€ltigen GrĂŒnden von der Einnahme leistungssteigernder Substanzen am Arbeitsplatz ohne medizinischen Grund nur
eindringlich gewarnt werden. Notwendig sind eher eine gesellschaftliche Diskussion ĂŒber die zunehmenden Anforderungen vor allem im psychomentalen Bereich, beziehungsweise die Erkennung und konsequente Vermeidung
von psychischer Ăberbeanspruchung an den ArbeitsplĂ€tzen.
Dr. R. Arnold im Juli 2009
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