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Doping am Arbeitsplatz

Dr. med. Raimund Arnold
 
Facharzt fĂŒr Allgemeinmedizin -
 Betriebsmedizin - Suchtmedizin - Palliativmedizin

Heubergstr 1 ,   83512 Wasserburg
tel:  08071 / 94440
fax: 08071 / 94441

                     „ Doping im Beruf “

Einsatz „Leistungssteigernder“ Substanzen am Arbeitsplatz

 

In den Medien wird in letzter Zeit immer wieder berichtet, wie hĂ€ufig „ leistungssteigernde“ Substanzen in der Arbeitswelt eingesetzt werden. In der Regel handelt es sich dabei um Medikamente, die fĂŒr den Einsatz bei Erkrankungen gedacht sind, aber unabhĂ€ngig von Erkrankungen eingenommen werden mit dem Ziel, verbesserte kognitive oder psychische LeistungsfĂ€higkeit am Arbeitsplatz zu erreichen. Die DAK hat in einem Gesundheitsreport 2009 Daten ausgewertet, Experten befragt und Einstellungen in der Bevölkerung ermittelt.

 So hat nach dieser Befragung jeder fĂŒnfte die Erfahrung gemacht, dass (ihm unabhĂ€ngig von Erkrankungen) aus dem direkten sozialen Umfeld die Einnahme derartige Medikamente empfohlen wurden. Ca. 20% aller Befragten befanden das BedĂŒrfnis, die Aufmerksamkeit und Konzentrations-eistungen im Beruf generell steigern zu wollen als vertretbaren Grund fĂŒr die Einnahme von Medikamenten auch ohne medizinische Diagnose. Etwa 5% der ErwerbstĂ€tigen zĂ€hlen nach dem Report nach eigenen Angaben zu Benutzern derartige Medikamente, wobei sich die Anzahl auf 1- 2% aller Befragten reduziert, wenn konkreter nach der HĂ€ufigkeit beziehungsweise der Beschaffungspraxis nachgefragt wurde.

 Verwendet wurden ĂŒberwiegend PrĂ€parate gegen Angst,NervositĂ€t und Unruhe (44%) gefolgt von Mitteln gegen depressive Verstimmung (35%),  nur von 13% wurden die viel diskutierten, speziellen PrĂ€parate gegen Aufmerksamkeit- und Konzentrationsstörungen (ADHS) genannt. Die meisten PrĂ€parate wurden ohne Rezept in der Standortapotheke besorgt (45%) oder ĂŒber Internetapotheken (12%).  Über normale Verordnungen von Ärzten wurden 14% der PrĂ€parate bezogen.. Nur 3 % der Nutzer gehen davon aus, das die Einnahme ohne nennenswerte Gefahr von Nebenwirkungen ist. Frauen sind generell etwas eher geneigt, derartige Medikamente einzunehmen. Die Internetapotheken ignorieren meistens die Rezeptpflicht.

 Aus medizinischere Sicht ist es zunĂ€chst einmal fraglich, ob die verwendeten Substanzen bei Gesunden tatsĂ€chlich zu einer Leistungssteigerung fĂŒhren. Alle Experten sind sich einig, dass sich mit der stĂ€rkeren Wirksamkeit eines Medikamentes auch die Gefahr der unerwĂŒnschten und z.T. gefĂ€hrlichen Nebenwirkungen erhöht. Generell geht man davon aus, dass pro Jahr wesentlich mehr ( möglicherweise um den Faktor 10)  Menschen an Medikamenten-Nebenwirkungen versterben als durch AutounfĂ€lle. Bei den Psychopharmaka gibt es die spezielle Gefahr der MedikamentenabhĂ€ngigkeit. Man geht von ca. 1 Million MedikamentenabhĂ€ngigen allein aus der Gruppe der angstlösenden und schlafanstoßenden Medikamente ( Benzodiazepine) in Deutschland aus.

Die möglichen Nebenwirkungen von leistungssteigernden Substanzen am Arbeitsplatz sind neben der AbhĂ€ngigkeit und den vielfĂ€ltigen Nebenwirkungen, die bei jeglicher Medikamenteneinnahme möglich sind z.B. auch Schlafstörungen, irreale VerĂ€nderung der Stimmung, SelbstĂŒberschĂ€tzung, Appetitstörungen, EinschrĂ€nkung der Fahrtauglichkeit oder MaschinenfĂŒhrung, Kreislaufprobleme oder aber eine  Leistungsminderung im Anschluss an die Medikamenteneinnahme. Ebenfalls zu bedenken sind ethische EinwĂ€nde (man denke z.B. an die Einnahme in PrĂŒfungssituationen zum Erlangen eines relativen Vorteils).

 Zusammenfassend kann aus vielfĂ€ltigen GrĂŒnden von der Einnahme leistungssteigernder Substanzen am Arbeitsplatz ohne medizinischen Grund nur eindringlich gewarnt werden. Notwendig sind eher eine gesellschaftliche Diskussion ĂŒber die zunehmenden Anforderungen vor allem im psychomentalen Bereich, beziehungsweise die Erkennung und konsequente Vermeidung von psychischer Überbeanspruchung an den ArbeitsplĂ€tzen.

 

 Dr. R. Arnold  im Juli 2009