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Dr. med. Raimund Arnold
 
Facharzt für Allgemeinmedizin -
 Betriebsmedizin - Suchtmedizin - Palliativmedizin

Heubergstr 1 ,   83512 Wasserburg
tel:  08071 / 94440
fax: 08071 / 94441

Augenprobleme bei der Bildschirmarbeit

Ein Problem bei lang dauernder Bildschirmarbeit sind Ermüdungserscheinungen der Augen. (Ein weiteres Problem sind  Beschwerden von Seiten der Muskulatur im Rücken und im Nacken, wovon aber hier nicht die Rede sein soll). Viele, die länger am Bildschirm arbeiten, werden schon die Erfahrung gemacht haben, dass nach mehrstündiger Bildschirmarbeit Beschwerden an den Augen auftraten. Die auftretenden Symptome sind vielfältig:
Die Augen können müde sein oder brennen, Flimmern vor Augen, Rötung der Augen, erhöhte Lichtempfindlichkeit oder auch Schwierigkeiten bei der „Scharfstellung“, können auftreten. Ganz allgemein ist unter Umständen die Sehleistung gestört.
Vielfach wird von Betroffenen auch davon ausgegangen, dass durch Ausübung einer Bildschirmarbeit sich die Sehleistung der Augen grundsätzlich verschlechtert hat.

Das aber ist eine unbegründete Sorge ! Es gibt keine Belege für kontinuierliche Verschlechterung der Sehleistung durch Anstrengung der Augen, weder durch Lesen ohne Sehhilfe, noch durch Bildschirmarbeit ! Natürlich ist die Beobachtung richtig, dass im Anschluss an einen langen Arbeitstag am Bildschirm die Sehleistung schlechter ist ! Aber über Nacht erholt sich das Auge wieder. Die Ermüdung der Augen mit den oben beschriebenen Symptomen ist ein Überlastungsphänomen, medizinisch „Asthenopie“ genannt, ohne dass sich daraus eine grundsätzlich immer schlechter werdende Sehleistung entwickelt.

Im Laufe des Lebens kommt es allerdings zu einer Veränderung der Sehleistung. So beginnt schon ab etwa dem 30.Lebensjahr eine abnehmende „ Akkomodations-fähigkeit“, d.h. die Einstellung der Augen auf verschiedene Sehentfernungen wird weniger flexibel. Beschleunigt findet dieser Prozess mit ca. 45 Jahren statt und begründet die so genannte „Altersweitsichtigkeit“, d.h. fehlende Naheinstellungsfähigkeit der Augen und damit Probleme bei dem Lesen von Kleingedrucktem. Übrigens hängt die Fähigkeit der Augen zur schnellen Anpassung an die Sehentfernung auch von der Kopfhaltung und Augenstellung ab ( besser  beim Blick nach unten   - deshalb den Bildschirm tiefer als die horizontale Blickrichtung stellen ! )

Bildschirmarbeit fordert die Sehleistung des Auges sehr stark. Durch alle Faktoren, die die Sehleistung beeinträchtigen, können die beschriebenen Ermüdungser-scheinungen der Augen eher eintreten. Die kann z.B. sein:

  • angeborene oder erworbene Sehschwäche
  • altersbedingtes Nachlassen der Sehfähigkeit
  • ungünstige ergonomische Ausgestaltung des Arbeitsplatzes
  • Blendungen oder Reflexionen auf dem Bildschirm
  • ungünstige Helligkeitsverteilung im Raum
  • ungünstige klimatische Verhältnisse im Raum
  • Syndrom des „trockenen Auges“
  • Schlechte Bildschirme oder zu kleine Zeichendarstellung
  • Probleme mit der Software oder den Arbeitsaufgaben
  • Probleme im Arbeitsklima

Deshalb lohnt es sich, die Sehfähigkeit der Augen und die Umgebungsfaktoren am Arbeitsplatz zu optimieren. Eine individuelle Beratung dazu ist bei der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung G 37 möglich, auf die jeder Arbeitnehmer Anspruch hat, der an seinem Arbeitsplatz einen Bildschirm benutzt.
Am besten kann diese Beratung der Betriebsarzt leisten, der nicht nur die verschiedenen Sehtests durchführt ( zusätzliche Tests über die  Sehschärfe-bestimmung hinaus sind dazu nötig), sondern auch Ihren Arbeitsplatz kennt und ggf. bei der bessern ergonomischen Ausgestaltung beraten kann. Außerdem sind die Kosten dieser Untersuchung ja vom Arbeitgeber zu tragen, der in erster Linie den Betriebsarzt damit beauftragt.
Im Einzelfall wird auch die Weiterverweisung an den Augenarzt zu einer speziellen Untersuchung notwendig sein, bei bestimmten Arbeitsplätzen und  Untersuchungsergebnissen kann sich auch die Empfehlung für eine spezielle Bildschirmarbeitsplatzbrille ergeben (deren Kosten in bestimmten Fällen auch der Betrieb übernehmen soll).

Was kann man nun gegen Ermüdungserscheinungen der Augen tun:

  • Die möglichst gute Korrektur einer evt. Sehschwäche ist der erste wichtiger Schritt !
  • Dann ist die ergonomische Optimierung des Arbeitsplatzes sehr wichtig !
  • Wenn sich vom Arbeitsablauf nicht sowieso Pausen bei der Bildschirmarbeit ergeben, ist als Richtschnur mindestens 10 Minuten Bildschirmpause pro Stunde einzuhalten, um auch die gesündesten Augen nicht zu überfordern. In der Praxis ist nur in den allerwenigsten Fällen ( z.B. Dateneingabearbeits-plätze) eine echte Arbeitspause erforderlich, meist ergibt sich die Entlastung der Augen durch wechselnde Tätigkeit von selbst. In dieser Pause sollte der Blick schweifen können (auch kein Lesen).

Erfahrungsgemäß werden diese Empfehlungen am Arbeitsplatz oft besser eingehalten als im häuslichen Bereich. Achten Sie auch an ihrem heimischen Computer auf Pausen und gute Lichtverhältnisse. Besonders belastend sind Reflexionen auf dem Bildschirm !

Erarbeitet im Februar 2004 von Dr. R. Arnold