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Alter und Arbeit

Dr. med. Raimund Arnold
 
Facharzt für Allgemeinmedizin -
 Betriebsmedizin - Suchtmedizin - Palliativmedizin

Heubergstr 1 ,   83512 Wasserburg
tel:  08071 / 94440
fax: 08071 / 94441

Alter und Arbeit

Spätestens seit der Diskussion um die Verlängerung der Lebensarbeitszeit bis zum Renteneintritt ist auch die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion um die Leistungsfähigkeit im Alter wieder in Gang gekommen.

 Nach der traditionellen Sicht nimmt die Arbeitsfähigkeit mit zunehmendem Lebensalter ab

(„Defizitmodell“). Dies ist aus dem früheren Alltag  mit häufig schwerer körperlicher Arbeit heraus entstanden und nachvollziehbar. Aber selbst bei diesem Teilaspekt  ist der Leistungsabfall nicht streng linear abfallend ! Von der Höchstleistungsfähigkeit mit ca. 20- 30 Jahren geht es erst nach einem längeren Leistungshochplateau jenseits der 40 langsam bergab, vor allem mit der körperlichen Leistungsfähigkeit für Belastungsspitzen. Das Dauerleistungsniveau ist bis zum Ende des Arbeitslebens weitgehend unbeeinflusst von dem Alterungsprozess ( Gesundheit vorausgesetzt) .

Erst recht muss die Annahme sinkender Leistungsfähigkeit hinterfragt werden bei Tätigkeiten mit weniger körperlicher als geistiger Beanspruchung. Die Wissenschaft unterscheidet bei geistiger Leistungsfähigkeit zwischen so genannter „flüssiger Leistung“ (Informations-verarbeitung und Problemlösung) und „ kristalliner Leistung“, bei der faktisches Wissen und prozedurale Kenntnisse zum Tragen kommen. Es hat sich bei ausgedehnten Untersuchungen gezeigt, dass zwar die  denkmechanische „flüssige“ Leistungsfähigkeit mit dem Alter abnimmt, dafür aber die pragmatische „ kristalline“ Leistungsfähigkeit eher zunimmt bis ins hohe Alter. Sogar die Lernfähigkeit ist nach neueren Untersuchungen in höherem Alter nicht wesentlich eingeschränkt. Eindeutige Vorteile haben Ältere sogar bei den kommunikativen Fähigkeiten, bei der Erfassung komplexer Sachverhalte, bei der Toleranz gegenüber alternativen Handlungsstilen oder dem Abschätzen der eigenen Grenzen und Möglichkeiten.

Die Arbeitsunfähigkeitszeiten bei älteren Mitarbeitern sind zwar durch die Art der Erkrankung bedingt tendenziell länger, aber die Häufigkeit der Arbeitsunfähigkeit statistisch geringer als bei Jüngeren.

Man muss davon ausgehen, dass die individuelle Leistungsfähigkeit im Alter sehr von der Betrachtungsweise und den näheren Umständen am Arbeitsplatz abhängt. Eine große individuelle Streuung verbietet außerdem pauschale Aussagen zu machen und das kalendarische Lebensalter als Grundlage für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit zu nutzen. Die Tatsache, dass manche Firmen jetzt schon gezielt ältere Mitarbeiter einstellen spricht jedenfalls für sich und für eine geänderte gesellschaftliche Wahrnehmung der Einschränkungen - aber eben auch der speziellen Vorteile älterer Arbeitnehmer.

Dr. R. Arnold im November 2003 (www.r-arnold.com)

unter Benutzung einer Veröffentlichung ( amtliche Mitteilungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2/2003) Dort auch Hinweis auf vollständigen Artikel unter http://www.baua.de/info/fachzeit/arbeit-bis-67.pdf